Kirchen in der Uckermark

Die Martinskirche in Angermünde

Ein etwas verstecktes Dasein führt die Martinskirche in Angermünde. Da sie weder Turm noch Glocken hat, ist sie als Kirchgebäude nur durch ihre Gestalt und das Kreuz auf dem Westgiebel erkennbar. Dennoch beherrscht sie den nach ihr benannten Martinsplatz zwischen Richtstraße, Jägerstraße und Scharfrichtergasse. Sie dient der Evangelisch – Lutherischen Martinsgemeinde für ihre Gottesdienste. Das älteste Zeugnis über die Existenz der Gemeinde ist das Kirchenbuch aus dem Jahr 1838, mit ersten Eintragungen in 1839. Anlass war die Einführung der Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden in Preußen zur "Einen erneuerten Landeskirche" unter Friedrich Wilhelm III. Dagegen wehrte sich auch eine Gruppe lutherischer Christen in Angermünde. In den Anfangsjahren mussten auch die Angermünder Lutheraner mit Unterdrückung und Verfolgung durch die Staatsgewalt rechnen, die die verordnete Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden mit Gewalt durchsetzen wollte. Erst 1845, nach Regierungsantritt Friedrich Wilhelms des IV., wurde durch "die Generalkonzession für die von der Gemeinschaft der evangelischen Landeskirche sich getrennt haltenden Lutheraner" diesen bekenntnisgebundenen lutherischen Christen die Anerkennung gewährt. Die kirchlichen Handlungen der Geistlichen wurden anerkannt, die einzelnen Gemeinden erhielten die Rechte einer moralischen Person, konnten somit Grundstücke erwerben und darauf für den Gottesdienst bestimmte Gebäude errichten. Allerdings durfte diesen der Name und die Rechte einer Kirche nicht beigelegt werden. Insbesondere war es untersagt, dass diese Gebäude über Turm oder Glocken verfügten. Die Angermünder Gemeinde war bereits 1841 in den Verband der so genannten "altlutherischen" Kirche (heute: Selbständige Evangelisch – Lutherische Kirche) aufgenommen worden und hatte nach dem Erlass der Generalkonzession Korporationsrechte erhalten (29.11.1849). Allerdings wurde sie pfarramtlich anfangs von Berlin, später von Stettin aus betreut. Erst 1848 erhielt sie in Georg Reinhold Witte ihren ersten eigenen Pastor. Unter Witte reiften auch die Pläne zum Bau einer eigenen Kirche, nachdem zunächst im Hause eines Vorstehers die Gottesdienste gehalten worden waren und danach im Haus eines weiteren Kirchenvorstehers ein Betsaal eingerichtet werden konnte. Die Planungen zum Kirchbau begannen im Jahr 1853. Die Stadt Angermünde, deren Magistrat der altlutherischen Gemeinde gegenüber sehr wohlgesonnen war, verkaufte ihr zu einem geringen Preis Land auf dem "so genannten Scharfrichterberg". Sogleich nahm man den Kirchbau in Angriff. Einer der Amtsnachfolger Wittes, Superintendent Seidel berichtet darüber (um 1914): "Am 22.3.1854 wurde dazu der Grundstein gelegt, am 2. Adventssonntag, dem 10.12.1854, wurde die Kirche zum gottesdienstlichen Gebrauch geweiht. Sie hat einen Flächenraum von 180 qm mit 200 Sitzplätzen. Die Kosten des Kirchenbaues betrugen 2.700 Taler, wovon die Gemeinde 1.000 Taler schuldig blieb, erst im Jahre 1887 konnte die Schuld getilgt werden." Die Kirche ist ein schlichter, einschiffiger Backstein-Saalbau mit offenem Dachstuhl und angefügtem fünfseitigem Altarraum im neogotischen Stil. Nicht geringe Unterstützung erfuhr die Gemeinde durch die altlutherischen Gemeinden in Berlin und Stettin, denen sie durch ihre Geschichte hindurch freundschaftlich verblieben war bzw. ist. Im Jahr 1856 genehmigte der Magistrat der Stadt Angermünde, dass der Platz auf dem die Martinskirche steht, fortan "Martinsplatz" heißen solle. Aus den diesbezüglichen Schreiben heraus wird deutlich, dass die Stadtväter zur damaligen Zeit den Begriff "Scharfrichterberg" zurückdrängen wollten. Überhaupt war die Stadt Angermünde der Martinsgemeinde gegenüber stets positiv aufgeschlossen. Aus den Berichten zum fünfzig-, fünfundsiebzig- und selbst hundertjährigen Kirchweihjubiläum geht hervor, dass immer Vertreter der Stadt, in der Regel der Bürgermeister und weitere Mitglieder des Magistrats, anwesend waren. Die Jubiläen waren auch Anlass zur weiteren Ausgestaltung der Kirche. So wurden 1904 Öfen in die bis dahin unbeheizte Kirche eingebaut, 1929 neue Glasfenster eingepasst, die die Geburt und die Auferstehung Christi darstellten. Letztere wurden in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs zerstört, auch trug das Dach erhebliche Schäden davon. Es dauerte bis 1952, bis die Fenster in einfachster Weise (ohne Malerei) wieder ersetzt und das Dach repariert werden konnten. 1954 jedoch erstrahlte das Kirchlein fast wieder im alten Glanze. Anfang der 70er Jahre wurde, mit damaligen Mitteln, eine grundlegende Sanierung und Umgestaltung durchgeführt. Dabei wurde der Altarraum grundlegend umgestaltet. Der alte neogotische Altar wurde durch einen schlichten Steinaltar ersetzt, so dass der Pfarrer auch hinter dem Altar zelebrieren kann. Die Kanzel wurde von ihrer ursprünglichen Höhe heruntergeholt. Die Ausmalungen der Kirche wurden durch einen weißen Anstrich ersetzt, die Kronleuchter durch eine schlichte Beleuchtung. Anfang der 90er Jahre konnte dann auch wieder ein Heizsystem eingebaut werden. 1912 wurde eine Orgel in die Kirche eingebaut. Es handelt sich um ein Instrument der Firma Barnim Grüneberg aus Stettin, einer der zur damaligen Zeit bedeutendsten Orgelbauwerstätten in Norddeutschland. Mit ihren 8 Registern ist sie noch im Originalzustand erhalten und somit ein wertvolles Denkmal spätromanischen Orgelbaus. Schlicht und funktional präsentiert sich die Kirche zu ihrem 145-jährigen Kirchweihjubiläum im Dezember 1999 dem Besucher. Sie soll auch weiterhin ihrem Zweck als Gotteshaus dienen, wie es in der Urkunde zum Ausdruck kommt, die in ihren Grundstein eingemauert ist: "Gott der Herr wolle nun um seines lieben Sohnes unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi willen dieses Gotteshaus beständig segnen mit treuer Predigt seines reinen Wortes und unverfälschten Sakramenten und durch vieler Seelen Bekehrung und ewiger Seligkeit, und dasselbe erhalten, bis der Kampf der Kirche in der Welt wird ausgekämpft sein und das himmlische Jerusalem erscheint." Pastor Jörg Ackermann, Schwedter Straße 4, 16278 Angermünde
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