Literatur aus der Uckermark

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Lisa Lehmann - Autorin aus Jamikow (Uckermark)

Geschichten vom Uckermarksommer 1999

Ich heisse Lisa Lehmann und wohne in Jamikow. Ab sofort werde ich an dieser Stelle monatlich eine Geschichte aus meinen beiden Büchern veröffentlichen. Ich schreibe seit meiner Pensionierung Heimatgeschichten. Kommen Sie einfach mit auf eine Abenteuer-Reise durch die Uckermark.

Das schönste uckermärkische Landschaftsbild hinter unserem Haus

Sie bilden auf der linken Seite den Rahmen für ein wunderschönes Landschaftsgemälde mit seidig glänzenden Feldern, die, unterbrochen von Baumgruppen, sanft ansteigen zu Hügeln, an die sich ein langgestreckter Wald schmiegt. Lediglich ein dicker Holunderbusch mit weißen Tellerblüten verdeckt in der Mitte des Bildes die Aussicht. Daneben geht der Blick wieder weit ins Land mit den Konturen eines Dorfes mit Kirchturm und zwei Windrädern am Horizont.

Rechts wird das Landschaftsbild von Obstgehölzen des Gehöftes unseres Nachbarn eingerahmt. Stimmen tönen übers Feld herüber an diesem ersten Sommerabend. Auf unserem Grundstück bilden ein zweiter Holunderbusch, der Beginn einer Weidenkätzchenhecke und davor ein Süßkirschbaum die Eckpunkte des Bildes. Zwischen die zwei Holunderbüsche wurde vor zwei Jahren eine Eberesche gesetzt, die ich auf keinen Fall vergessen darf zu erwähnen, weil der Gartenbaumeister große Hoffnungen in sie setzt. Die Früchte sollen eßbar sein. Drei Meter hoch kann sie werden. Jetzt sieht man ihr das allerdings noch nicht an. Sie schaut zwar schon über den Zaun, macht aber gegenüber den rustikalen Holunderbüschen einen zerbrechlichen Eindruck. Ich wünsche sehr, dass sie schön und kräftig wird.

Das naturgewordene Poster „Lindenbaum im Abendlicht“

Bei der Beschreibung kommt mir ein Poster in den Sinn, das eben diese Landschaft und Sonnenuntergangstimmung darstellt. Ich hatte es vor vielen Jahren in einer Buchhandlung ausgewählt, und da ich in der Wohnung keinen geeigneten Platz fand, in meinem Büro angepinnt. Der Anblick hat mich viele Jahre von unerfreulichen Situationen im Berufsalltag abgelenkt. Das Bild hat einige Bürowechsel überstanden, konnte aber in meinem letzten Arbeitsraum, wo ich es am nötigsten gebraucht hätte, wegen Schrankwandbebauung keine Bleibe finden, so dass ich es aufgerollt aufbewahren mußte immer in der Hoffnung auf eine bessere Verwendung. Als wir auf Grundstücksuche waren und ich das erste Mal auf unserem jetzigen Landsitz stand, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen über die Identität mit meinem Poster. Es fiel mir sofort ein. In diesem Moment bin ich einfach gezwungen, es hervorzukramen und mit dem natürlichen Panorama zu vergleichen. So bewußt habe ich es noch nicht getan. Jetzt liegt es vor mir auf dem Tisch. Es ist das „Leipzig-Poster 936/6“ mit dem Titel "Lindenbaum im Abendlicht“, Aufnahme: W. Krammisch.

Ich blicke vom Foto auf mein Gegenüber und staune: Das Poster ist bis auf den dicken Holunderbusch anstelle der Linde eine Kopie der Wirklichkeit. Ob dieser über Jahre vertraute Anblick des Fotos mit zur Entscheidung für dieses Stückchen Erde als neue Heimat beigetragen hat? Tatsache ist, dass ich hier sehr schnell heimisch geworden bin.

Die sanfte Gegend mit großen Wiesen ähnelt sehr meinem sächsischen Geburtsort Lindenthal in der Leipziger Tiefebene, in dem wie der Name sagt, viele prächtige Linden stehen. Zur Erinnerung hatte ich das Poster gekauft. Nun habe ich den Ort fast wiedergefunden.. Als wir unser Häuschen einrichteten habe ich natürlich immer überlegt, wo ich das Bild anbringen könnte, aber leider keine günstige Stelle dafür gefunden. Aber mir schwebt da etwas vor...... Ich werde es vorerst wieder sorgfältig einrollen und sicher verwahren. Ich brauche ja nur auf die Terrasse zu treten, um es zu sehen und zu erleben . Dass ich den Anblick sogar von meinem Eßplatz im Zimmer aus genießen kann, ist sowieso“wunder“bar.

Die „Schwarzen Johannas“ und die blonde Johanna

Mein Gartenarchitekt hat sie dort plaziert. Er liebt diese Beeren, schwört auf ihren gesundheitlichen Wert und wollte deshalb nicht auf sie verzichten, obwohl ich eine Stauden- oder ähnliche Hecke als Schmuck bevorzugt hätte. Ich muß hierzu erklären, dass wir in unserem früheren Garten bereits eine stattliche Anzahl dieser Sträucher unser eigen nannten, sie in der Julihitze mühevoll ernteten und zu Saft und wirklich köstlicher Marmelade verarbeiteten. Da es bei diesen Aktionen eine strikte Arbeitsteilung gab und auch geben wird – die Gärtnerin als Pflücker und der Gartenbaumeister als Koch, was er ebenfalls vorzüglich kann und ich ihm diesen Titel eigentlich auch noch zuordnen müßte - ließ ich ihn ohne Kommentar gewähren. Ich muß zugeben, dass diese Beerenhecke gut zu den Flieder- und Holunderbüschen paßt wie in einem gemütlichen Bauerngarten, was in der dörflichen Umgebung unseres neuen Wohnsitzes ganz in meinem Sinne ist. Außerdem bietet sie Schutz gegen das freie Feld, das sich anschließt. Kurzum ich habe mich schon lange mit ihr angefreundet.

Zu den zahlreichen „Schwarzen Johannas“ hat sich seit dem Einzug unserer Tochter eine blonde Johanna gesellt. Es ist eine sehr lebendige kleine Pflanze. Die Enkeltochter wurde von ihren Eltern auf diesen Namen getauft, und ich muß bei der absoluten Vorliebe des Gartenbaumeisters für diese Beerenart darüber lächeln, dass das Kind auch so heißt. Nun hat er eine „Johanna“, die seine Liebe auch erwidert.

Sonnenuntergang

Über dem Landschaftsbild thront als weiße Scheibe die Sonne, die jetzt, 21 Uhr schon tief steht, mich aber noch ordentlich blendet. Jemand hat einen dicken weißen Wolkenstrich an den Himmel gezeichnet, der jetzt Konkurrenz von einem sich bewegenden Flugzeug bekommt: eine weiße Schlange kriecht mit ziemlicher Geschwindigkeit parallel zu ihm aus meinem Bild. Während auf der Erde alles starr bleibt und sich nur die Farben durch das Sonnenlicht verändern – der Wald und die Baumgruppen sehen jetzt schwarz aus - ist das Himmelsbild sofort wieder ein anderes: Der von unsichtbarer Hand gemalte Strich hat sich in zwei aufgelöst, die von weiteren Spuren, die das senkrecht nach oben startende Flugzeug hinterläßt, geschnitten werden.

In der Stille, der Wind hat sich gelegt, höre ich den Flieger leise donnern. Eine Elster krächzt leise. Ein anderer Vogel singt einsam. Plötzlich flattert es laut. Fünf Elstern setzen sich nicht weit von mir in den Akazien nieder, und es raschelt geheimnisvoll. Ein paar Schwalben sitzen auf den drei Leinen der Hochspannungsleitung, die direkt über der Grundstücksgrenze quer durch das Bild laufen. Und außer mir schaut immer noch die Sonne zu. Wenn ich ihr in die Augen sehe, muß ich blinzeln und das Schreiben unterbrechen. Sie hängt jetzt zwischen den beiden Holunderbüschen.

Plötzlich ist es still, ganz still. Ein Glücksfall, da auch auf der Straße keine Bewegung herrscht. Es ist kein Laut zu hören. Alles schweigt, so als wollte sich die Sonne zum Abschied Gehör verschaffen für ihr lautlose Botschaft: „Das war meine längste Wanderung des Jahres. Ein mühevolles Tagewerk. Nun ruhet auch ihr.“ Man könnte meinen, die Vögel um mich herum und sogar der Wind haben die Worte verstanden und gehorchen der Mächtigen. Es erscheint mir wie ein Wunder. Ich habe es noch niemals so beobachtet und empfunden. Die runde Sonnenscheibe ist dabei nach und nach weggerutscht und jetzt, 21.40 Uhr nicht mehr zu sehen. Aber sie grüßt noch lange mit rotem Abendlicht.
Die Autorin lebt in Jamikow/Uckermark. Ihre Bücher und Postkarten sind in jeder Buchhandlung erhältlich. Weitere Informationen erhalten Sie per eMail oder telefonisch unter 033 33 1 - 66 3 64.

Veröffentlichungen der Autorin
  • "Die Uckermark - Ein Sommermärchen" 7,60 Eur
  • "Die Uckermark – Ein Heimatmosaik" 10,00 Eur
  • Postkartenserie "Unterwegs in der Uckermark" Set-Preis 3,50 Eur
Sie haben jetzt ein wenig Lust bekommen in einer landschaftlich einmaligen Region Entspannung zu finden ? Dann informieren Sie hier über den Weg in die Uckermark. BIS DEMNÄCHST !

Stichwortsuche

Veranstaltungen

» jetzt eintragen !

Newsletter



Archiv/Infos