Sagen und Geschichten - Brüssow

Das Hoawief und die Dachsjäger


Als das "Hoawief" noch nicht an den Ganznow-See gebannt war, spukte es auch oft auf der Feldmark, an den Kreuzwegen und an den Grenzen umher. Einst gingen zwei Brüder, Peter Hinz und Jürgen Hinz, spät abends in die Kaselower Forst auf die Dachshetze. Als sie sich bei einem Baue überzeugt hatten, daß der Dachs ausgefahren war, befestigten sie das Fangnetz in der Einfahrt und brachten die Hunde auf die Fährte. Nach kurzer Zeit verfolgten die Hunde einen flüchtigen Dachs, welcher dem Baue zulief und auch gefangen wurde.

Sie schlugen nun das Tier mit ihren Knitteln tot und traten den Peter trug den Sack mit dem toten Dachs. Kaum waren sie einige hundert Schritte gegangen, da wurde der Dachs im Sack allmählich schwer und schwerer, so daß Peter zuletzt erschöpft stehen blieb. "De Racker is noch nich dod", sprach er, den Sack abwerfend. Beide prügelten nun so lange auf den Dachs, bis er nach ihrer Meinung siebenmal krepiert sein mußte. Nun nahm Jürgen den Sack auf den Rücken und lachte über seinen Bruder; denn ihm däuchte die Last gar gering. Aber er hatte zu früh gelacht. Nach kurzer Zeit mußte auch er keuchend und schwitzend den Sack abwerfen, weil er mit jedem Schritte schwerer wurde. Zum dritten Mal hieben nun beide auf den vermeintlichen Dachs ein, und zwar so lange, bis die Erschöpfung sie zwang, aufzuhören. Darauf legten sie den Sack quer über ihre beiden Stöcke und versuchten, ihn, wie auf einer Tragbahre, weiter zu transportieren; aber es wiederholte sich dieselbe Geschichte.

Nun kam ihnen die Sache doch nicht geheuer vor und sie beschlossen, den Inhalt des Sackes noch einmal zu untersuchen. Kaum aber hatten Sie den Sack geöffnet, so kollerte zu einem Knäuel zusammengekrümmt, das "Hoawief" daraus hervor, und als es, wie vom Winde getrieben, eine Strecke hinweggerollt war, sprang es auf die Beine, klatschte in die Hände und rief höhnisch: "Hoa, hoa, hoa! ji hebben mi lickerswiet müßt droagen!" Peter Hinz aber, der ein sehr schlagfertiger Mensch war, faßte sich kurz und antwortete ebenso höhnisch: "Joa, joa, joa! wi hebben di lickers ook düchtig daarför schloagen!"

Quelle: Sagenschatz der uckermärkischen Kreise, gesammelt und herausgegeben von Rudolf Schmidt - Eberswalde, Prenzlau 1922

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