Sagen und Geschichten - Dedelow

Die Heiden von Dedelow

Bei Dedelow, im ehemaligen Schloßpark, befindet sich heute noch ein großer Stein, "Heidenkanzel" genannt. Früher befanden sich um diesen Stein herum noch weitere, aber kleinere. Hier spukt es besonders in den hellen Juninächten. Inzwischen weiß man, daß es sich zumindest bei dem "Heidenkanzelstein" um den etwas kümmerlichen Rest einer steinzeitlichen Grabanlage handelt. Dazu nun die folgende Sage.

Vor langer, langer Zeit, als die Bauern des Dorfes, welches ja damals noch nicht Dedelow hieß, noch Heiden waren, kam ein christlicher Prediger in den Ort. Er brachte es auch fertig, alle Heiden zu taufen. Eine schöne und stolze Kirche wurde erbaut und die "bekehrten" Heiden gingen fleißig zum Gottesdienst. In ihren Herzen aber blieben sie hart und huldigten ihren alten Göttern. Kam ein Fremder oder gar ein Bettler und bat um ein Stück Brot oder eine Übernachtung, dann jagten sie ihn ohne Gnade mit Steinwürfen fort. So sehr sich auch der Pfarrer abmühte, sie umzustimmen, alles war vergebens.

Aus Kummer darüber wurde er alt und grau. Eines Tages kam sogar der liebe Gott persönlich nach Dedelow, um den Hartherzigen ins Gewissen zu reden. Aber auch er wurde weggejagt. Nun aber war das Maß voll. Er verwandelte die Dedelower in Steine und zwar an dem Ort, wo sie noch ihre alten Kulte betrieben, an dem Stein "Heidenkanzel". Der alte Pfarrer starb bald darauf. Aber auch er war verdammt dazu, in aller Ewigkeit von der "Heidenkanzel" herab in den Juninächten zu predigen.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

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