Sagen und Geschichten - Milmersdorf
Der Teufelsbrunnen am Briesensee
Nördlich von Milmersdorf liegt der Briesensee; aber noch weiter fort hatte der Schäfer des Dorfes seine Schafe zu treiben. Da lechzten abends auf dem langen Heimweg Hirt und Herde nach des Tages Hitze nach einem erfrischenden Trunke. Doch der Briesensee hatte ehemals fast schwarzes und ungenießbares Wasser. Er bot der Herde keine willkommene Rast, und halb verdurstet kam sie mehr als einmal vor dem Dorfe an. Einmal nun war dem Schäfer das Fluchen über die Lippen gekommen. "So schlimm kann´s ja kein Teufel mit einem meinen!" brummte er mit trockener Zuge.
Er sollte den Teufel nicht umsonst beschworen haben, gleich war der Leibhaftige zur Stelle und erbot sich, in der Nähe des Briesensees einen Brunnen zu bauen, der das reinste und beste Tinkwasser führte. Da versprach der Schäfer dem Teufel seine Seele, wenn er die Arbeit von Feierabend bis Mitternacht bewältigte. Sogleich denselben Abend begann der Satan das Stück Arbeit. Man hörte ein Sausen und Brausen in der Luft; der Teufel schwirrte hin und wider, und bei jedem Kommen ließ er beide Arme voll Steine auf die Erde klatschen.
Die Steine brauchte er aber dazu, um das Wasser des Briesensees darüber hinwegzuleiten, damit es klar und sauber werde. Dazu gehörten jedoch nicht wenig Steine. In der weitesten Umgegend waren die Steine schon aufgebraucht, und noch war der Brunnen nicht fertig. Der Brunnenrand zumindest fehlte noch. Da sauste der Teufel bis nach Pommern, um die fehlenden Steine zu holen. Und weil er alles in der größten Eile betreiben mußte, dieweil die Zeit tüchtig fortgeschritten war, stieß er in der Hast an einer der Prenzlauer Marienkirchtürme und - es rasselte das Räderwerk, die Glocke fing vorzeitig an, die zwölfte Stunde zu schlagen. Da fluchte der Teufel über seine Ungeschicklichkeit und die saure verpatzte Arbeit.
Voller Wut schleuderte er alle Steine in der Nähe des Brunnen auf die Erde und verschwand. Daher ist die Gegend dort so reich an Steinen. Der Brunnen ist zwar nicht vollendet worden, doch das Wasser des Briesensees wurde klar. Der Schäfer aber, aus Dank über seine Errettung aus Teufelsklauen, pflanzte ein Bäumchen neben dem Brunnen. Das Bäumchen wurde bis auf den heutigen Tag zu einer der ältesten und dicksten Blätterriesen der ganzen Uckermark. In der dortigen Gegend soll es sogar jetzt noch in düsterer Nacht ohne Mond- und Sternenschein hohl rollen wie vom Klatschen und Rumoren polternder Steine, mit denen eine ganze Schar Arbeiter am Werke ist.
Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang
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