Sagen und Geschichten - Prenzlau

Der goldene Harnisch und die Georgskapelle

Vor mehreren hundert Jahren standen noch an der Georgskapelle verschiedene Wirtschaftsgebäude, die zu dem Hospitalkomplex gehörten. Sie dienten den damaligen Reisenden zur Unterkunft und Pflege der Erkrankten. Eine weite Reise war damals überhaupt kein Vergnügen. So hieß es auch, wenn man eine Reise machte, "in den Krieg zu ziehen."

Für die dienenden Brüder der Mönche aus Prenzlau, die das Georgshospital betreuten, wurden die Anforderungen immer größer. Daher beschloß man für die Verwaltung einen "Provisor" zu wählen. Dieser aber war ein schlechter Mensch. Er hatte nämlich am Galgen, der gegenüber von der Kapelle stand, einen Teufelspakt geschlossen, der beinhaltete, daß er bei der Verwaltung der Stiftungen und Wirtschaft fünfzig Jahre tun und lassen konnte, was er wollte.

Als wieder einmal der Teufel den Verwalter nach seinem neuesten Begierden fragte, erfuhr er, daß in der Kapelle eine Statue des heiligen Georg mit einem goldenen Harnisch stand, und gerade diesen Harnisch wollte der Provisor haben. Erst wollte der Teufel nicht so recht an das Unternehmen heran, dann sagte er seine Hilfe zu.

Bei hellem Mondschein schlichen sich beide in die Kapelle und mußten zu ihrem Schrecken feststellen, daß der hellschimmernde Georg seinen Spieß genau auf die Eindringlinge gerichtet hatte. Vor Angst flüchteten sie, dabei stolperte der Mönch über den Pferdehuf des Teufels und stürzte. Am Morgen fanden ihn die anderen Brüder mit zerschlagenem Schädel vor der Kapellentür. Sie begruben ihn auf dem kleinen Friedhof bei den Liegehallen für die Kranken des Hospitals.

In der nächsten Nacht aber kam der Böse wieder, um sein Opfer zu holen. Beim Suchen nach dem Toten und dem Wühlen in der Erde zertrat er alles mit seinen glühenden Füßen - und die Gebäude gingen in Flammen auf. Die Mönche aber, die alles mit Entsetzen ansehen mußten, flohen voller Furcht nach Prenzlau zu ihrem Kloster. Geblieben ist nur die kleine Kapelle, denn in ihr hält St. Georg Wache.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

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