Sagen und Geschichten - Schmölln
Der Totenkopf mit den goldenen Zähnen
Nicht weit entfernt vom "Räuberberg" - etwas nördlicher - liegt der "Lüttkenberg". Der Name weist wieder hin auf die "kleinen Leute", oder Zwerge, wie sie in vielen Sagen und Märchen vorkommen. Der Name des Berges soll von gerade diesen Zwergen herkommen, die ihre Begräbnisstätten auf dem Berge vor Urzeiten gehabt haben sollen.
Gräber sieht man heute nicht mehr, aber die Bauern stoßen ab und zu beim Pflügen auf Steine - ehemalige Gedenksteine, die man den Toten auf ihre Grabhügel setzte. Eines Tages fand ein Bauer einen solchen Stein, und wie er ihn aus dem Erdloch herausholen will, sieht er darunter einen ganz kleinen Totenkopf mit goldenen Zähnen. "Den läßt du nicht liegen", dachte der Bauer und nahm ihn mit nach Hause. Er legte ihn erst einmal in einen Kasten, der auf dem Boden stand. Er sagte aber keinem Menschen - auch seiner Familie - kein Wort von seinem Fund.
In der Nacht aber erhob sich über der Wohnung - auf dem Dachboden - ein furchtbares Rumoren und Getobe. Es hörte sich an, als ob da oben alles umhergeworfen würde. Der Lärm war so laut, daß der Bauer und die Bäuerin kein Auge zutun konnten. Es wurde erst ruhig, als die Hähne anfingen zu krähen, und die Sonne aufging. Unausgeruht und verschlafen ging jeder am anderen Morgen an seine Arbeit. Aber alles, was jeder auf dem Hof anfaßte, fiel zu Boden. Der Bäuerin fiel der Kochtopf aus der Hand, dem Bauer entfiel der Löffel, und dem Knecht gelang es nicht, die Schweine zu füttern und das Pferd aufzuschirren, weil keiner etwas in der Hand halten konnte.
Nur der Bauer selbst ahnte, woher das Unglück kommen konnte. Schuld war er selber, weil er den Totenkopf mit nach Hause genommen hatte. So ging er wieder auf den Boden und nahm den Kopf aus dem Kasten und vergrub ihn an der Stelle, an der er ihn gefunden hatte, auf dem Lüttkenberg. Von dieser Stunde an wurde es anders. Nun fielen keine Gegenstände mehr aus den Händen, und der Knecht konnte wieder das Vieh halten und verpflegen.
Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e.V., Schibri-Verlag, 1997
© Landkreis Uckermark 2000 www.uckermark.de
